Neue Serie: Nachhaltiges Bauen und Digitalisierung

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Eine Artikelserie von Eva-Marion Beck, Redaktion NEVARIS, mit aktuellen Infos und spannenden Einblicken in die Praxis.

Die Rolle der deutschen Bauunternehmen wandelt sich langsam, aber unausweichlich: Im Spannungsfeld von Bauherren, Architekten und anderen Akteuren werden die traditionell Ausführenden immer mehr zu Mitgestaltern. Treiber sind dabei die beiden Megathemen „Nachhaltiges Bauen“ und „BIM“. Warum werden diese Themen 2021 noch viel stärker in den Fokus der Baubranche rücken als bisher? Wie werden sie über kurz oder lang Arbeitsalltag und Selbstverständnis vieler Bauprofis beeinflussen? Und wie kann wirklich jeder relevantes Know-How zeitnah in den eigenen Betrieb holen und mit Gewinn für sein Unternehmen und für die Umwelt nutzen? Diesen Fragen wollen wir in unserer neuen Artikelserie „Nachhaltiges Bauen und Digitalisierung“ nachgehen.

Vielleicht haben Sie die Erfahrung bereits in der eigenen Unternehmenspraxis gemacht: Gesundes Wohnen, Klimaschutz und ein kosten- und energieeffizienter Gebäudelebenszyklus werden in der Wahrnehmung von Architekten und Bauherren immer wichtiger. Gerade bei Wohnimmobilien gewinnen Qualität und langfristige Funktionalität in der baulichen Umsetzung immer mehr an Bedeutung. Die neuen Anforderungen verändern das Bauen radikal: Altbewährte Konzepte, Materialien, Gebäudetechnik und Verfahren werden durch effizientere Lösungen auf den Prüfstand gestellt.

Einigkeit besteht darüber, dass echte Nachhaltigkeit beim Bauen im Sinne eines wirtschaftlicheren und umweltfreundlicheren Umgangs mit Ressourcen nur durch die Digitalisierung vieler Vorgänge - insbesondere durch Building Information Modeling (BIM) - praktikabel werden kann. Viele Entscheider wissen aber nicht, wo sie beginnen sollen. Sie fühlen sich durch die Komplexität der „digitalen Transformation“ entmutigt, der Begriff geistert wie ein Schreckgespenst durch ihre Reihen. Ironischerweise hat Covid-19 in vielen Betrieben als digitaler Geburtshelfer gewirkt.

Ungewohnte Tools und virtuelle Meetings wurden im letzten Jahr fest im Arbeitsalltag integriert. Und die unfreiwillige Beschäftigung mit digitalen Abläufen mag dem einen oder anderen Chef vor Augen geführt haben, dass Digitalisierung mit einem ersten, gar nicht so schwierigen Schritt beginnt - und es sogar Spaß machen könnte, diesem ersten Schritt weitere folgen zu lassen.

Bauunternehmen werden in Zukunft viel stärker schon in den Planungsprozess einbezogen werden – als Experten für zeitgemäße bautechnische Lösungen und Mitentscheider über viele Faktoren, die eine Immobilie gut und nachhaltig machen.

Es wird jedenfalls immer unbequemer, den Kopf in den Bausand zu stecken und sich nicht aus seiner Komfortzone zu bewegen. Der öffentliche Druck zum wirtschaftlich und umweltfreundlich gebauten sowie betreibbaren, sanierbaren und rückbaubaren Gebäude wächst. Um diese Bauwerke zu realisieren, muss eine enge Zusammenarbeit zwischen allen Projektpartnern eingeübt und selbstverständlich werden. In der deutschen Planungskultur findet derzeit ein Paradigmenwechsel statt: Das Werkzeug dieses Zusammenwirkens der Gewerke BIM weicht die traditionelle Trennung von Planen und Bauen auf. Bauunternehmen werden in Zukunft viel stärker schon in den Entwurfs- und Planungsprozess mit einbezogen – als Experten für zeitgemäße bautechnische Lösungen und Mitentscheider über viele Faktoren, die eine Immobilie gut und nachhaltig machen.

Wer nachhaltig baut, baut etwas für sein Unternehmen auf, nicht nur für die Umwelt.

Die Schaffung offener Schnittstellen und gemeinsamer Standards für eine gemeinsame BIM-Praxis ist eine Herausforderung, die noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Was nichts daran ändert, dass Bauunternehmen immer nachdrücklicher in die Verantwortung genommen werden, sich für bautechnische Neuerungen zur Verringerung von CO2-Emissionen und zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum zu öffnen. Viele Bauprofis, die sich jetzt schon dieser Verantwortung stellen, haben nach dem Sprung über die digitale Hemmschwelle festgestellt: Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern ein probates Mittel, die Verschwendung von Zeit, Geld und Arbeitskraft zu stoppen – und die ist in der Bauwirtschaft so hoch wie in keiner anderen Branche. Weitere Erfahrungen, von denen mutige Unternehmer berichten: Neue technologische Prozesse können mit viel praktischer Unterstützung ausprobiert und auf ihren realen Nutzen geprüft werden, bevor man sie dauerhaft implementiert. Wenn sie erst einmal im operativen Geschäft verankert sind, können sie sogar bei älteren Mitarbeitern Begeisterung wecken. Und nicht der unwichtigste Punkt: Gerade für Digitalisierungsmaßnahmen in KMUs existieren umfangreiche Förder- und Kooperationsmöglichkeiten.

 

Die wichtigste Erkenntnis aber ist vielleicht: Wege entstehen dadurch, dass man sie geht, und wer nachhaltig baut, baut etwas für sein Unternehmen auf - nicht nur für die Umwelt. Das schnellere, wirtschaftlichere und hochwertigere Bauen durch digital unterstützte Qualitäts- und Effizienzsprünge steigert nicht nur Image, sondern auch Gewinne. Schließlich war der quantitative Bedarf an umweltfreundlich gebauten und bewohnbaren Gebäuden in Deutschland noch nie so groß.

 

Für Bauunternehmen jeder Größenordnung bietet das Abenteuer „Digitalisierung und Nachhaltiges Bauen“ jedenfalls mehr Chancen als Risiken. Wir möchten Sie daher mit neuestem Wissen und Projektbeispielen dazu ermutigen, gesundes, bezahlbares Wohnen und Leben in Deutschland mitzugestalten. Erfahren Sie mehr über ökologischen Innenausbau und nachhaltiges Dämmen. Lernen Sie „grüne“ Baumaterialien und Baustoffe kennen, die sich bereits vielfach bewährt haben. Informieren Sie sich über Holz als Hoffnungsträger der Green Building-Architektur und über serielles Bauen mit industriell vorgefertigten Modulen. Einen Schwerpunkt werden wir auf das nachhaltige Sanieren und Nachverdichten legen – die meistdiskutierten Maßnahmen zur Schaffung dringend benötigten urbanen Wohnraums.

Unsere Artikelserie stellt die engen Bezüge des kosten- und energieeffizienten Bauens zur Digitalisierung her, und diese bleibt natürlich nicht bei BIM stehen. In einem Artikel liefern wir Ihnen einen Überblick über vielversprechende neue Technologien aus der Baupraxis wie etwa digitale Baustellensteuerung, intelligente Wartung von Baumaschinen oder Drohnen auf der Baustelle. Und selbstverständlich stellen wir Ihnen Kooperationen und Fördermöglichkeiten vor, die Sie bei ersten Weichenstellungen in Richtung Nachhaltigkeit unterstützen können.

Wir wünschen Ihnen wertvolle Impulse und freuen uns auf Ihre Erfahrungen, Ihre Beobachtungen und Ihr Feedback! Hinterlassen Sie uns gerne eine Nachricht.

Ihre NEVARIS Redaktion

 

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