Wandel in der Baubranche: Werteverlust und Hoheitswissen in Zeiten der Digitalisierung


Warum Gespräche und Vertrauen immer noch wichtige Bestandteile für Ihren Erfolg sind

Ein Artikel von Thorsten Wenzel, Director Sales NEVARIS

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Die Baubranche befindet sich im Wandel. Etliche Bauunternehmen setzen bereits heute auf fortschrittliche Technologien, andere arbeiten noch nach der Maßgabe „Was früher gut war, ist heute noch ausreichend.” Die Digitalisierung in der Baubranche hat an vielen Stellen schon Veränderungen mit sich gebracht – und wird in den kommenden Jahren weiter an Tempo zulegen. Wenn alles digital wird, was zählt dann eigentlich noch der einzelne Mitarbeiter? Welche Bedeutung haben zukünftig noch zwischenmenschliche Werte wie Vertrauen? Warum die persönliche Ebene auch in Zeiten der Digitalisierung ein wichtiger Erfolgsbaustein ist, weiß Thorsten Wenzel, Director Sales von NEVARIS.

Den Bauleiter der Firma Müller kennt man schon seit Jahren. Mit den eigenen Lieferanten besteht eine enge Geschäftsbeziehung. Mit den Kollegen aus der Verwaltung geht der regelmäßige Smalltalk oft auch in private Gespräche über. Und wenn Baufirma X mir die Kolonne Y schickt, weiß ich, dass es gut wird. „So sieht’s in vielen Bauunternehmen aus – persönliche Beziehungen spielen eine immens wichtige Rolle“, sagt Thorsten Wenzel. Wer kennt wen, wer weiß was, wer hat welche Kompetenzen? Diese Fragen gelten sowohl für den jeweiligen Markt des Bauunternehmens als auch auf Mitarbeiterebene.

 

Mitarbeiter sind auch in Zeiten der Digitalisierung das höchste Gut eines Bauunternehmens

Ganz gleich, ob in leitender oder ausführender Position – Mitarbeiter sind im Baugewerbe das wichtigste Gut. Fast alle Gewerke stehen einem hohen Arbeitsmarktwettbewerb gegenüber. Und ein Ende des „war of talents“ ist noch lange nicht in Sicht. Die Digitalisierung spielt hier eine wesentliche Rolle. Junge, technikaffine Leute suchen speziell nach Bauunternehmen, die mindestens den technologischen Standard bieten, den sie von der Uni oder aus der Ausbildung gewohnt sind. „Traditionsreiche, nicht-digitalisierte Bauunternehmen stehen an diesem Punkt vor einer Herausforderung. Auf der einen Seite verlangt der Markt immer mehr Bereitschaft zum technologischen Fortschritt. Auf der anderen Seite scheuen viele Bauunternehmen aber auch den Schritt in die Zukunft. Einfach aus Sorge, dass man veränderungsunwillige Mitarbeiter verliert, die aufgrund ihrer Erfahrung für das Unternehmen wichtig sind.“

„Die Kunst ist, diesen Wandel der Digitalisierung so zu gestalten, dass man die Mitarbeiter mitnimmt.“

Das hat auch einen Wertewandel zur Folge. In vielen Bauunternehmen arbeiten Mitarbeiter, die über ein gewisses Hoheitswissen verfügen. Ohne sie läuft quasi nichts. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten entstand so eine Kultur, die von dem Motto „Wissen ist Macht“ geprägt war: Wer das Wissen hat, hat die Macht.

Mitarbeiter mit Fachkenntnissen und langjähriger Erfahrung halten ihr Wissen oft fest, statt es mit Kollegen zu teilen. Die Digitalisierung der Baubranche bringt hier einen gewaltigen Wandel, denn sie bedeutet zum Beispiel, dass man Software nutzt, die Informationen der gesamten Organisation bereitstellt. Das ist ein Werte- und Kulturwandel, der an dieser Stelle vollzogen werden muss. Denn dann heißt es nicht mehr nur: „Konrad, du bist ein kompetenter Kalkulator“, sondern „Konrad, dein Job ist wertvoll, weil du durch dein Fachwissen unser Bauunternehmen auf ein ganz anderes Level heben kannst. Wenn wir künftig dein Wissen breiter nutzen, können auch neue Kollegen und der gesamte Betrieb davon profitieren – das hilft uns allen.“ Doch warum sollte Konrad das tun? Er hat sich sein Wissen über Jahrzehnte mühsam aufgebaut, hat Geld und Zeit investiert und einen Wissensschatz, der zu seinem Kapital geworden ist. Konrad könnte also Bedenken haben, dass er sich durch die Weitergabe dieses Wissens ersetzbar macht und sein Job in Gefahr ist. Aber das Gegenteil ist der Fall: Gibt Konrad sein Wissen weiter, büßt er seine Expertenposition nicht ein – aber er sichert den langfristigen Erfolg seines Arbeitgebers und damit seinen eigenen Arbeitsplatz. Er selbst profitiert von strukturierten Workflows und von der Genauigkeit einer Bausoftware.

 

Digitalisierung bedeutet auch, Wissen und Informationen zu teilen und zugänglich zu machen.

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Wertewandel ist auch ein Generationenthema

Die Digitalisierung der Baubranche führt zwangsläufig auch zum Thema Nachfolge und Generationenwechsel. Denn zukünftig werden Wissen und Kompetenz nicht mehr linear – also von erfahrenen, älteren Mitarbeitern an die jungen – weitergegeben. In Zeiten der Digitalisierung lernen der 62-jährige Kalkulator und der 26-jährige Studienabsolvent gegenseitig voneinander. Der eine hat die Erfahrung, der andere bringt das technische Know-how mit.

 

„Alte Werte wie Verlässlichkeit, Bodenständigkeit und Erfahrungen müssen in Fachteams mit neuen Werten wie Modernität, Neugier und Technologieaffinität zusammenkommen – deshalb sind Gespräche so immens wichtig.“

 

Vertrauen und Gespräche sind das A und O für eine neue Unternehmenskultur

Die Angst, die bei vielen Bauunternehmern und Mitarbeitern mitschwingt, ist, dass die zwischenmenschliche Ebene wegfällt. Das stimmt aber nicht. Im Gegenteil. Ohne Zweifel ist die Digitalisierung der Baubranche eine große Veränderung. Für alle. Und wie alle großen Veränderungen wird auch dieser Wechsel Verluste mit sich bringen. Allerdings nicht auf persönlicher Ebene. Einfach heruntergebrochen: Ein Bauunternehmen führt eine neue Software ein. Das klingt erst einmal banal. Aber diese neue Software erfordert es, alle Prozesse, jeden Stein in der Firma, einmal anzuheben und zu prüfen, ob die Vorgehensweise noch sinnvoll ist. Mitarbeiter müssen miteinander sprechen, die Geschäftsführung muss ihren Angestellten vertrauen, an manchen Stellen wird es für einen Mitarbeiter unbequem, für andere wird’s an manchen Stellen leichter. All das ruft zwischenmenschliche Aspekte auf den Plan wie Angst (“Komme ich da mit oder bin ich hier bald abgeschrieben?”), Vertrauen (“Gehen wir den Weg zusammen?”), Anerkennung (“Wir brauchen dich!”).

 

Digitalisierung ist kein einmaliger Prozess

Und danach? Wenn die Software läuft? „Einmal eingeführt heißt nicht, dass dieser Status die kommenden Jahre so bleibt. Digitalisierung ist ein Prozess, der immer wieder aufs Neue ein offenes, transparentes und vertrauensvolles Miteinander verlangt. Wir empfehlen dafür regelmäßige Reviews“, sagt Thorsten Wenzel.

Fragen, die in diesem Zusammenhang gestellt werden, sind unter anderem:

  • Sind wir noch gut aufgestellt?
  • Passt unser Projektmanagement noch zu den Bauvorhaben?
  • Passen unsere Programme noch zu den Projekten, die wir haben?
  • Passen die Prozesse noch zu uns als Bauunternehmen?
  • Passt unser Portfolio zu den Kunden, zu den Auftraggebern?
  • Wo gibt es Potenzial für Optimierungen?


Die Antworten bekommt ein Unternehmen nur, indem es regelmäßige Audits durchführt. Innerhalb von Abteilungen, aber auch abteilungsübergreifend. Thorsten Wenzel: „Das ist nichts, was statisch abläuft oder abzulesen ist. Da kommt es auch ganz stark auf Meinungen, Empfindungen, erlebte Dinge an, die man kommunizieren muss.“

Der Wandel lässt Ihr Bauunternehmen demokratischer werden. Alle legen ihre Karten auf den Tisch, alle dürfen und sollen mitreden. Darin liegt die große Chance der Digitalisierung.

 

Die besten Ideen kommen von Mitarbeitern

Alte Zöpfe abschneiden, starres Hierarchiedenken abbauen, den einzelnen Mitarbeiter heben und ihn zu einem wichtigen Teammitglied machen – das ist ganz klar eine Managementaufgabe. Veränderungen werden dann nicht mehr von oben aufdiktiert, sondern entstehen aus der Mitte der Organisation. Wer kennt schon die Prozesse besser als die Mitarbeiter in den Fachabteilungen selbst?

Im besten Fall entstehen in den jeweiligen Abteilungen so etwas wie „Communities”, also Gemeinschaften. Wenn diese gemeinsam für ihre Einheit neue Prozesse schaffen und sagen: „Klasse, jetzt haben wir den roten Faden, wie wir miteinander und mit anderen Fachabteilungen arbeiten”, wird dadurch das Team gestärkt. Darüber hinaus können sich Ihre Mitarbeiter mehr auf das Wesentliche konzentrieren. Eine neue Software reduziert Routineaufgaben und bewirkt, dass sich die Nutzer stärker mit den Prozessen auseinandersetzen.

Geschwindigkeit, Transparenz, Information, Auswertung von Information – das ist der Mehrwert, den Sie durch eine Professionalisierung generieren können. Die Digitalisierung der Baubranche hat also viele Veränderungen im Gepäck. Zwischenmenschliche Werte sind gerade in diesen Prozessen aber elementar für Ihren Erfolg.


Möchten Sie sich und Ihr Bauunternehmen mit meiner Hilfe zukunftsfähig aufstellen? Dann kontaktieren Sie mich. Ich helfe Ihnen gerne weiter!